Abwarten und Tee trinken rät ein bekanntes Sprichwort. Im Gegensatz zum Kaffee wird Tee mit Ruhe und sich Zeit nehmen verbunden. Einige Nationen haben daraus richtige Rituale entwickelt. Die Russen haben ihren Samowar-Tee, die Briten den Five O’Clock Tea, und die Japaner haben daraus sogar eine religiöse Disziplin entwickelt, die Teezeremonie. Im Zen-Buddhismus ist der Teeweg "Chado" eine der Disziplinen, wie u.a. Ikebana, Kalligraphie, Schwertkunst, Bogenschießen, zur Kontemplation und Erleuchtung.
Geschichte der Teezubereitung
Mönche haben wahrscheinlich die Teezubereitung und den Anbau aus China nach Japan eingeführt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Teezeremonie eng mit dem Buddhismus verknüpft ist, die bedeutendsten Teemeister waren Zen Buddhisten. Seit circa Mitte 1200 entwickelte sich die Teezeremonie, eine mehrere Stunden dauernde Abfolge streng festgelegter Handhabungen und Handlungen zwischen Gastgeber und Gästen.
Murata Juko, 1422-1502, wurde der erste Teemeister und erhob die Zeremonie zum Schulungsweg. Unter Sen no Rikyu, 1521-91, erlangt sie ihre Vollendung. Während sie Zeremonie an den Adelshäusern immer prunkvoller wurde, brachtet Rikyu wieder mehr Schlichtheit und Innerlichkeit hinein.
Sinn der Teezeremonie
Die Teilnehmer einer Teezeremonie sollen in ihr vier Prinzipien erfahren und verwirklichen: Harmonie, Respekt, Reinheit, StilleAusgeführt wird sie von einem Meister, der eine jahrelange Ausbildung absolviert hat. Im alten Japan war die Ausbildung übrigens reine Männersache. Heutzutage steht das Erlernen des Teeweges auch Frauen offen und sie nicht mehr notwendig mit Spiritualität verknüpft. Viele Schüler sehen es als Tradition, Entspannung oder Kunstwerk an. In Japan gibt es verschiedene „Schulen“, die größte ist Urasenke.
Ablauf einer Teezeremonie
Eine echte Teezeremonie dauert mehrere Stunden, die einzelnen Phasen sind immer wieder unterbrochen durch Kontemplation. Idealerweise findet sie in einem speziell konstruierten Teehaus statt, stattdessen auch in einem Teeraum. Der Raum ist ausgelegt mit Tatami-Matten. Als einziger Schmuck ist ein Ikebana Gesteck, eine Kalligrafie oder ein Räucherdöschen vorhanden. In einer Vertiefung im Boden befindet sich eine Feuerstelle mit Holzkohle, über der ein gusseiserner Kessel hängt.
Die Gäste knien die ganze Zeit im Fersensitz. Der Gastgeber serviert ein mehrgängiges Essen "Kaiseki". Als nächstes bereitet der Gastgeber den Teebrei "Koicha" aus Grünteepulver "Matcha", den er mit Wasser auffüllt und einem Bambusteebesen "Chasen" aufschlägt, ca. ½ TL auf 8 TL Wasser. Der unfermentierte Tee ist durch die Gerbstoffe bitterer als schwarzer Tee, enthält aber weniger Koffein. Jeder Gast nimmt aus der gleichen Schale einen Schluck und reicht sie dann weiter. Als letztes bereitet der Gastgeber jedem Gast einzeln und nacheinander den dünnen Tee "Usucha". Zwischen den einzelnen Schritten gibt es immer wieder Zeit, in der die Keramik, die Kalligrafie oder andere Details eingehend betrachtet werden. Auch die Gespräche haben die Gegenstände zum Inhalt, es wird nicht geklatscht oder über Privates geplaudert.
Die japanische Teezeremonie in Deutschland
Eine echte Zeremonie erfordert viel Zeit und erfahrene Gäste, öffentliche Vorführungen beschränken sich deshalb auf einen Ausschnitt der Zeremonie, den dünnen Tee. Wer die Teezeremonie erleben oder selbst erlernen will, hat dazu auch in Deutschland Gelegenheit. In Museen in Stuttgart, Hamburg und Berlin, in den Teehäusern in München und Hannover oder im privaten Unterricht. Informationen gibt es z. B. bei Urasenke Gesellschaft
